ich_

"Chimaer... bin ich. Sohn einer interessanten Ehe zwischen Vater Ernst, zweitjüngster Sohn eines 18köpfigen Bauern-Clans und Renate, Tochter einer Hückelhovener Zechen-Familie.
In den wilden Zeiten nach dem 2. Weltkrieg entschied sich mein Vater, die Äpfel der Bauern aus der Gegend aufzukaufen und diese auszupressen. Bezahlt wurden die Bauern mit gepresstem Apfelsaft. Was für ein vorbildliches Kompensationsgeschäft! In meiner Vorstellung hat er den Saft mit Wasser vermischt und mit Zucker verfeinert. Somit blieb mehr Saft zum Verkauf im eigenen Geschäft.
Ob´s wirklich so war? Und ob es jemals jemanden aufgefallen war? Wer weiss.... Heute ist dies gängige Praxis.
Ich hätte es vielleicht so gemacht. Und da der Apfel nicht weit vom Stamm fällt kann ich getrost behaupten, die Geschäftstüchtigkeit im positiven oder Verschlagenheit im negativen Sinne von meinem Vater geerbt zu haben. Chimären vereinen eben viele Gesichter.
In vielem, was ich heute mache, entdecke ich immer wieder ein Stück gepressten Apfel. Meinem alten Herren sei Dank."


Chimaer, Ein Zwiegespräch.

 

Chimaer, Du hast Dir eine eigene Webseite erstellt. Notwendiges Übel der heutigen Zeit oder ein Ego-Trip?

Ganz klar ein Ego-Trip. Eigentlich mach ich den ganzen Kram ja für mich und es sollte mir reichlich egal sein, was andere davon halten. Aber so einfach läuft das nicht. Das Ego in mir will auch bedient werden. Es will raus und rufen: "HIER BIN ICH! FINDET MICH GEIL!". 

Hast Du keine Angst vor Kritik? Davor, das es den Leuten nicht gefällt?

Die Leute sollen es verdammt nochmal gut finden!


Was machst Du alles? Ich sehe hier die verschiedensten Sachen: Fotografie, Video, Design, Musik ...

Thema meines Lebens. Ich kann mich nicht auf eine Sache konzentrieren. Ich bin da ehr der Generalist als der Spezialist.


... Du tanzt gerne auf verschiedenen Hochzeiten...

Ja, je nachdem, was mich inspiriert. Mal sitze ich stundenlang im Studio und schraube endlos an Songs. Mal laufe ich wie ein japanischer Tourist durch die Gegend und fotografiere alles, was nicht bei 3 hinter einem Baum verschwunden ist. Oder ich mache Sessions mit Modellen. Akt in der Regel...


... klar...

Zuletzt habe ich mich mit 3D-Fotografie beschäftigt. Oder ich besorge mir Software, um Landschaften zu gestalten und zu rendern. Ich würde liebend gerne tiefer in die Video-Thematik einsteigen. Oder einen Zeichentrickfim drehen. Es gibt so viele Dinge, die ich gerne machen möchte! Aber der Tag hat nur 24 Stunden und irgendwann muß ich auch Geld verdienen, schlafen und - ganz wichtig: essen.
Aber am Ende treibt es mich meist dahin, wo ich mich am wohlsten fühle: bei der Musik.


Warum Musik?

Da ich mit dem, was am Ende des Prozesses dabei rauskommt, am zufriedensten bin. Mein Design kann ich noch besser machen, meine Bilder kann ich noch besser machen, beim Texten brauche ich stets eine "Stimmung" und bei Videos bin ich erst ganz am Anfang... Meine Musik bringe ich aber auf ein Level, das meinem eigenen Anspruch fast genügt. Die ich nach nächtelanger Arbeit einfach ziemlich gut finde und ich immer und immer wieder hören kann. Wo mir mein Perfektionismus auf die Schulter klopft und sagt: "Gut gemacht. Geh jetzt ins Bett."


Musik zu produzieren bedarf einer gewissen Leidensfähigkeit. Bevor ein Song fertig ist, hörst Du ihn hunderte Male. Warum tust Du Dir das an?

Ich konnte mir als Kind schon gewisse Dinge immer und immer wieder anhören: "Mike, lass das!" oder "Mike, nimm das aus dem Mund!". Das ist irgendwie hängen geblieben. Ich finde es super, wenn mir meine Umwelt - oder in diesem Fall die Boxen - immer und immer wieder die gleichen Sachen erzählen.


Wird Dir dabei nicht langweilig?

Ganz im Gegenteil. Irgendwann kommt es auch im Gehirn an. Das ist toll und kann ich nur empfehlen!


Du machst vieles alleine. Nicht nur auf dem Ego-Trip, sondern auch hin zum Eremit?

Bei Fotosessions habe ich meine Modelle, in der Musik verschiedene Stimmen oder einige eingespielte Instrumente. Ohne den Beitrag meines Umfelds wären viele Sachen nur halb so gut. Aber im Kerne bin und mache ich das Meiste alleine. Ich schätze es, nicht über meine Ideen diskutieren zu müssen.


Was ist Deine Vision?

Zwei dutzend Frauen mit Schildern vor meiner Haustüre, auf denen drauf steht: "Ich will ein Kind von Dir!"